4.7. Infektiöse Darmerkrankungen

Die Aufnahme von Infektionserregern, meist Bakterien, über das Futter ist beim Pferd selten, aber möglich. Das Futter dient hierbei nur als Vektor. Träger der Infektionserreger sind meist Grün- und Raufutter. Die Kontamination geschieht meist über Nager, Exkremente anderer erkrankter Tiere oder Erdbeimengungen im Futter. (MEYER und COENEN 2014)

Infektionserreger, welche Durchfall auslösen, sind meist von den Gattungen Salmonella oder Clostridium und deren Enterotoxine. Aber auch Erreger der Gattungen Klebsiella und Campylobacter, sowie der Keim Rhodococcus equi können selten zu Darmerkrankungen führen. (KLÖTZER 2013)

4.7.1. Salmonellen

Definition

Die Zoonoseerreger Salmonellen sind stäbchenförmige, gram-negative, fakultativ anaerobe Bakterien (RATHGEBER 2016). Die Gattung Salmonella besteht aus zwei Arten, S. bongori und S. enterica. Letztere besitzt 6 Unterarten. Es sind mehr als 2600 Serovaren bekannt. (SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017)

Das beim Pferd am häufigsten auftretende Serovar ist S. Typhimurium (SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017). Weiter treten auch S. Anatum, S. Newport, S. Krefeld, S. Agona und S. Enteritidis beim Pferd auf (RATHGEBER 2016).

Entstehung und Ursachen

Salmonellen werden in der Regel über latent infizierte Salmonellenträger, welche auch andere Tierarten oder der Mensch sein können, oder kontaminiertes Futter und Wasser übertragen (SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017). Die Kontamination von Futtermitteln mit Salmonellen geschieht meist durch den Kontakt des Futters mit Exkrementen ausscheidender Tiere. So können beispielsweise Weidegras oder auch Getreide verunreinigt sein. (MEYER und COENEN 2014)

Als begünstigender Faktor für den Ausbruch einer Salmonellose wird vor allem Stress genannt (GERBER et al. 2016; RATHGEBER 2016).  Aber auch starker Wurmbefall, eine Entwurmung, Futterumstellungen, sowie eine Antibiotikagabe, aber auch eine gastrointestinale Vorerkrankung  können prädestinierend wirken (RATHGEBER 2016). Laut GERBER et al. (2016) haben Pferde mit einer Störung der Normalflora des Darms und/oder einem schwachen Immunstatus ein erhöhtes Risiko an einer Salmonellose zu erkranken. Anfällig sind besonders junge und geschwächte Tiere (SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017).

Salmonellen siedeln sich meist im Magen-Darm-Trakt an, können in seltenen Fällen aber auch weitere Organe, wie Leber, Niere, Milz und Lunge befallen (SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017).

Symptome

Es können verschiedene Verlaufsformen einer Salmonellose unterschieden werden:

  • symptomlose Infektion mit wiederkehrenden Erregerausscheidungen
  • milde Erkrankungsform mit Fieber, Fressunlust und Müdigkeit, mit oder ohne Durchfall, wiederkehrender Erregerausscheidung
  • starker Durchfall mit hohem Fieber (über 39,5°C) und Erregerausscheidung
  • akute Septikämie mit hohem Fieber, Equine Typhlokolitis

(GERBER et al. 2016; SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017)

Der Erregernachweis erfolgt meist über eine Kotuntersuchung (GERBER et al. 2016), wobei „der fehlende bakterielle Nachweis (…) kein sicherer Beweis für die Abwesenheit von Salmonellen [darstellt]“ (RATHGEBER 2016). Die Therapie erfolgt über den gezielten Einsatz eines, auf ein Antibiogramm fußendes, Antibiotikums (GERBER et al 2016).

Therapieunterstützende Fütterungsmaßnahmen

Infizierte Pferde müssen von anderen Tieren abgesondert werden. Über den betroffenen Betrieb sollte Quarantäne verhängt werden. Auf die Hygiene des Personals und der Ställe muss besonders geachtet werden.  (GERBER et al. 2016)

Im Vordergrund der Prophylaxe von Salmonelleninfektionen steht das Verhindern der Einschleppung von Erregern in Tierbestände.  Hierfür sollte auf kontaminiertes Futter, Vögel und Nager geachtet werden. Latent infizierte Tiere stellen ein hohes Infektionsrisiko dar, sowie auch Ställe, Tränken und Tröge infizierter Tiere. Pferdeställe mit oft wechselnden Belegungen und Kliniken sollten besonders aufmerksam sein. (SELBITZ und VALENTIN-WEIGAND 2017)

4.7.2. Clostridien

Clostridien sind gram-positive, anaerobe Bakterien, die in der Lage sind, Endosporen zu bilden, die auch ungünstige Begebenheiten, wie beispielsweise Hitze, überstehen können. Clostridien findet man im Boden, in Süß- und Salzwasser, in und am Tier und Mensch. (GERBER et al. 2016)

Am Pferd können viele verschiedene Krankheitserreger isoliert werden, wie C. botulinum, welcher das Botulismus-Toxin bildet, oder C. tetani, welcher für den häufig tödlich verlaufenden Wundstarrkrampf verantwortlich ist. Im Folgenden wird auf  C.  perfringens und C. difficile eingegangen, da deren Toxine Veränderungen im Verdauungstrakt des Pferdes hervorrufen. (GERBER et al. 2016)

Clostridium perfingens

C. perfingens kommt in Boden, Staub, Wasser und im Darm des Pferdes vor. Fünf Toxovaren (A-E) bilden verschiedene Toxine, Alpha-, Beta-, Epsilon- und Iota-Toxin, welche eine unterschiedliche Wirkung im Körper zeigen. (RATHGEBER 2016)

Das Alpha-Toxin kann von allen Toxintypen A-E gebildet werden, und ist verantwortlich für die Gewebeschädigungen bei einem Gasbrand. Die Toxintypen B und C bilden das Beta-Toxin, welches nekrotische Läsionen im Dünndarm hervorrufen kann. Epsilon-Toxine werden von den Toxovaren B und D produziert und müssen durch Enzyme aktiviert werden. Die Darmwanddurchlässigkeit wird erhöht, sodass das Toxin in den Blutkreislauf gelangen und Veränderungen an Lunge und Niere hervorrufen kann. Toxintyp E bildet das Iota-Toxin, das zu einer Darmentzündung, sowie einer generellen Intoxikation führt. (RATHGEBER 2016)

Das Clostridium-perfringens-Enterotoxin wird primär von den Toxovaren A und C gebildet. Im Ileum und Jejunum kann sich das Enterotoxin an die Rezeptoren der Darmepithelzellen binden und so die Durchlässigkeit der Membran erhöhen. So kommt es zu einem Ionen- und Flüssigkeitsverlust. (RATHGEBER 2016)

Das Toxovar A ist in der Darmflora eines gesunden Pferdes vorhanden. Es wird jedoch als Ursache für die Entwicklung einer Equinen Typhlokolitis und einer Enterotoxämie gesehen. (RATHGEBER 2016) Begünstigende Faktoren für die Entstehung einer Kolitis sind Antibiotikagaben, Futterumstellungen und –kontaminationen mit dem Clostridium-Erreger. (GERBER et al. 2016)

Der Toxintyp C des C. perfringens führt häufig zu Darmerkrankungen und Enterotoxämien bei neugeborenen Fohlen, welche Koliken, Durchfälle und einen plötzlichen Tod zur Folge haben (GERBER et al. 2016; RATHGEBER 2016).

Clostridium difficile

Das C. difficile kommt im Boden und im Kot von Pferden und Tieren vor, und findet sich auch im Darm gesunder Tiere. Die Übertragung der Krankheitserreger geschieht meist fäkal-oral. Begünstigende Faktoren für eine Infektion mit C. difficile sind eine Antibiotikagabe und ein Klinikaufenthalt. (RATHGEBER 2016) Das C. difficile kann zwei Toxine bilden: das Enterotoxin A und das Zytoxin B (GERBER et al. 2016; RATHGEBER 2016).

Toxin A führt zu entzündlichen Prozessen im Dünndarm. Die Durchlässigkeit der Darmwand wird erhöht, das Gewebe wird geschädigt und Flüssigkeit sammelt sich im Darmlumen. Es kommt zu einer hämorrhagischen Nekrose. Durch die zytotoxische Wirkung des B-Toxins wird das Zellzytoskelett zerstört und die Zellen abgerundet. (RATHGEBER 2016) C. difficile gilt als einer der elementaren Auslöser für Durchfälle, für eine Duodeno-Jejunitis, sowie für eine Typhlokolitis (GERBER et al. 2016; RATHGEBER 2016).