7.1. Akutes Nierenversagen

Definition

Bei einem akuten Nierenversagen handelt es sich um ein akutes Auftreten einer Nierenfunktionsstörung mit Abfall der Harnproduktion, Anhäufung nierenpflichtiger Substanzen im Blut, und folglich einer Störung des Flüssigkeit- und Säure-Basen-Haushalts (GERBER und STRAUB 2016).

Es wird unterschieden zwischen prärenalen, (intra-)renalen und postrenalen Ursachen (GERBER und STRAUB 2016).

Entstehung und Ursachen

Ein prärenales Nierenversagen liegt vor, wenn die Nierendurchblutung und die Auswurfleistung des Herzes verringert sind. Dieser Zustand kommt beispielsweise bei großen, akuten Blutverlusten, bei sehr starker körperlicher Belastung oder Schockzuständen vor. (GERBER und STRAUB 2016) Aber auch zahlreiche gastrointestinale Erkrankungen können ein prärenales Nierenversagen beim Pferd auslösen. Besonders Kolikpatienten mit einem Darmverschluss können eine akute Niereninsuffizienz entwickeln. Auch Pferde mit einer Endotoxämie, Kolitis und Durchfallerkrankungen können unter einem akuten Nierenversagen leiden. (MAY et al. 2012) Durch die mangelnde Durchblutung der Niere bei einem prärenalen Nierenversagen kommt es zur Schädigung des Nierengewebes und so zu einem Nierenversagen (SCHUSSER 2017).

Als renale Ursachen für ein akutes Nierenversagen gelten Medikamente, darunter vor allem die nicht steroidalen Entzündungshemmer zu nennen, infektiöse und nicht infektiöse Nierenerkrankungen, sowie die Aufnahme von Giftstoffen, wie Blei, Quecksilber oder Lösungsmitteln. (GERBER und STRAUB 2016)

Postrenale akute Nierenversagen entsteht durch einen Harnrückstau (SCHUSSER 2017), welcher meist durch einen Harnsteinverschluss der oberen Harnwege, durch raumfordernde Prozesse wie Tumore, oder durch Entzündungen und Traumata verursacht wird (GERBER und STRAUB 2016). Durch den vollständigen Verschluss der Harnleiter Staut sich das Harn zurück bis in die Nieren. Der vom Rückstau ausgehende Druck schädigt die Nierenfunktion (SCHUSSER 2017). Jedoch ist ein beidseitiger Verschluss der Harnleiter selten, sodass der gesunde Harnleiter die fehlende Leistung des geschädigten meist kompensieren kann (GERBER und STRAUB 2016).

Symptome

  • Inappetenz
  • Apathie
  • mangelnde Leistungsbereitschaft
  • beschleunigter Puls
  • leichte Koliken (GERBER und STRAUB 2016)
  • Ödeme am Unterbauch und an den Beinen
  • die Pferde setzten nur noch wenig bis gar kein Harn mehr ab (SCHUSSER 2017)
  • typisches urämisches Ausdünsten über die Haut des Pferdes (GERBER und STRAUB 2016)

Therapieunterstützende Fütterungsmaßnahmen

Können die Pferde durch den Tierarzt stabilisiert werden sollten sie in der nachfolgenden Rekonvaleszenz-Phase optimal gefüttert und getränkt werden. Die Menge der Wasseraufnahme sollte kontrolliert werden. (SCHUhttps://www.hipposport.de/magazin/eevp/literaturverzeichnis/SSER 2017).