Eine Weide - viele Möglichkeiten! Welche Nutzung passt am besten zu meiner Koppel?

 

shutterstock 218666917 kleinDie artgerechteste und umweltschonendste Form der Pferdehaltung ist die Weidehaltung. Jedoch bleibt vielen Pferde diese Möglichkeit verwehrt. Wenige Stunden Reiten am Tag reichen nicht aus um dem Bewegungsbedürfnis der Pferde gerecht zu werden. Eine Paddockbox ist sicherlich eine bessere Alternative, ersetzt aber trotzdem nicht die freie Bewegung auf der Weide. Deshalb ist es besonders wichtig den Pferden die Möglichkeit auf regelmäßigen, mehrstündigen Koppelgang zu bieten. Weide und Ausläufe sind nicht nur als Futterquelle wichtig, sondern auch für die arttypische Bewegung, den sozial Kontakt, die Entspannung und die Beschäftigung des Pferdes. Jedoch kann der Grasbestand nur gut geschützt werden, wenn auch das Weidemanagement stimmt.

Wenn ausreichend Weidefläche ist vorhanden und alle notwendigen Utensilien für den Zaunbau besorgt sind, sollte man sich spätestens jetzt im Frühjahr die Frage nach dem passenden Weidemanagement stellen. Bei der Beweidung von heute schon an die nächste Koppelsaison denken – so geht Nachhaltigkeit! Im Folgenden stellen wir euch verschiedene Beweidungssysteme vor. Je nach Begebenheiten sollte jeder ein für sich passendes Beweidungssystem finden. Auch Kombinationen aus den verschiedenen Systemen, wie zum Beispiel eine Kombination aus Umtriebs- und Portionsweide, sind machbar.

Stand-Weide

Als Stand-Weide bezeichnet man eine Weide, die während der Vegetationszeit durchgängig beweidet wird. Die meist sehr großen Flächen bieten eine optimale Bewegungsmöglichkeit für die Pferde. Freuen sich die Pferde über weitläufiges Gelände und die Besitzer über vergleichsweise wenig Aufwand, leidet der Boden bei dieser Art der Beweidung am meisten. Regelmäßiges Abmähen und Kot absammeln ist ein Muss, da sonst die Entstehung von Geilstellen begünstigt wird und eine Schädigung durch Narben unvermeidbar ist. Außerdem besteht das Risiko, dass die Pferde im Frühjahr einen enormen Futterberg haben und gegen Ende des Jahres ein Engpass entsteht.

Portions-Weide

Eine große Weide, welche mittels zusätzlichem Elektrozaun verkleinert werden kann, bezeichnet man als Portions-Weide. Der Zaun wird nach und nach weitergesteckt, sodass die Pferde die immer wieder eine neue Portion der Weide zum Abfressen erhalten. Mit der Zeit haben die Tiere dann eine immer größere Fläche zur Verfügung. Die tägliche Ration kann besser zugeordnet werden, was allerdings einen höheren Arbeitsaufwand und eine intensive Düngung zur Folge hat. Das Bewegungsverhalten wird jedoch eingeschränkt.

Umtriebs-Weide

Als Umtriebs-Weide bezeichnet man eine große Fläche, welche in einzelne Parzellen unterteilt wird. Mit Hilfe eines Treibgangs hat man Zugang zu jeder einzelnen Parzelle. Ist eine Parzelle abgeweidet werden die Pferde auf die Nächste getrieben und die Weide kann sich erholen. Jeder Bereich kann circa 5-7 Tage beweidet werden. Danach sollte die Weide eine Ruhezeit von 24 bis 32 Tage haben. Eine Schnittnutzung der einzelnen Parzellen ist ebenfalls möglich.

Auslauf-Weide

Auslauf-Weiden sind oft bei Ställen mit Sportpferden zu finden. Es ist eine eher schmale, längliche Auslauffläche mit wenig bis gar keinem Gras. Eine Zufütterung von Heu ist bei dieser Art von Beweidung unbedingt nötig. Gerade für Sportpferde ist es aber eine willkommene Abwechslung, dem Trainingsalltag für ein paar Stunden zu entfliehen.

Misch-Weide

Auf Misch-Weiden werden sowohl Pferde als auch andere Weidetiere gehalten. Aus weidetechnischen Gründen ist diese Art der Beweidung sehr sinnvoll, dass sich Pferde und andere Weidetiere wie Wiederkäuer in ihrem Weideverhalten sehr gut ergänzen. Pflanzen welche vom Pferd verschmäht werden, werden wiederrum vom Wiederkäuer gerne gefressen. Der Flächenertrag bei Mischbeweidung ist aufgrund dessen wesentlich höher.

Mäh-Weide

Die Mäh-Weide ist eine Kombination aus Stand- und Schnittnutzung. Man nutzt den ersten Aufwuchs zur Heugewinnung, danach stehen die Weide und der zweite Aufwuchs den Pferden zur Verfügung. 

Witterungsschutz

Wenn Pferde ganzjährig oder über eine längere Zeit auf der Weide gehalten werden, muss ein Witterungsschutz vorhanden sein. Dieser kann als natürlicher Witterungsschutz, wie Wald, Baum- und Buschgruppen oder Felsen vorhanden sein. Aber auch Weidezelte oder Hütten eignen sich sehr gut. Dabei ist darauf zu achten, dass sich alle Tiere gleichzeitig vor ungünstigem Wetter schützen können, und dass genügend Ein- und Ausgänge vorhanden sind um Streitigkeiten zu vermeiden. 

 

Montag, 27 April 2020 13:36