{"id":1917,"date":"2021-09-16T16:02:46","date_gmt":"2021-09-16T14:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/dev.hipposport.eu\/hippowiki\/?page_id=1917"},"modified":"2022-01-04T15:46:34","modified_gmt":"2022-01-04T14:46:34","slug":"toxische-darmerkrankungen-durch-giftpflanzen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/darm\/toxische-darmerkrankungen\/toxische-darmerkrankungen-durch-giftpflanzen\/","title":{"rendered":"4.6.1. Toxische Darmerkrankungen durch Giftpflanzen"},"content":{"rendered":"<h4>Entstehung und Ursachen<\/h4>\n<p>Pferde k\u00f6nnen giftige Pflanzen auf der Weide, \u00fcber das Rau- und Krippenfutter, sowie im Gel\u00e4nde bei einem Ausritt oder Spaziergang aufnehmen. In der Regel werden Giftpflanzen von Pferden gemieden, jedoch k\u00f6nnen unterschiedliche Faktoren und Situationen dazu f\u00fchren, dass die Tiere die Giftpflanzen doch aufnehmen. Dies geschieht zum Beispiel bei unerfahrenen Jungtieren, bei einer knappen Raufutterversorgung, sowie nach dem Trocknungs- oder Silierprozess, wodurch die Pferde die giftigen Pflanzenteile oft nicht mehr aussortieren k\u00f6nnen. Aber auch giftige, exotische Pflanzen, welche aus fremden Regionen der Welt stammen, k\u00f6nnen von Pferden h\u00e4ufig nicht richtig eingeordnet und deshalb gefressen werden. (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MEYER und COENEN 2014<\/a>)<\/p>\n<p>Die Schadwirkungen der Giftpflanzen sind von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MEYER, COENEN 2014<\/a>). In der nachfolgenden Tabelle werden h\u00e4ufig im Futter und auf der Weide vorkommende Giftpflanzen dargestellt, die einen Schaden im Verdauungstrakt nach ihrer Aufnahme verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Quelle: modifiziert nach <a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MEYER und COENEN 2014<\/a><\/p>\n<table border=\"1\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><strong>Pflanzenart<\/strong><\/td>\n<td><strong>Vorkommen<\/strong><\/td>\n<td><strong>giftige Pflanzenteile<\/strong><\/td>\n<td><strong>Schadwirkungen<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Adonisr\u00f6schen <em>Adonis vernalis<\/em><\/td>\n<td>Heu und Gr\u00fcnland, Wald- und Wegr\u00e4nder, kalkhaltige B\u00f6den<\/td>\n<td>gesamte Pflanze<\/td>\n<td>Schleimhautreizungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Bingelkraut <em>Mercuria annua <\/em>&amp; <em>Mercuria perennis<\/em><\/td>\n<td>Wald- und Wegr\u00e4nder<\/td>\n<td>gesamte Pflanze<\/td>\n<td>Durchfall, Lebersch\u00e4digungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>        Buche            <em>Fagus sylvatica<\/em><\/td>\n<td>W\u00e4lder<\/td>\n<td>Samen<\/td>\n<td>Kolik, Kr\u00e4mpfe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>   Buchsbaum    <em>Buxus sempervirens<\/em><\/td>\n<td>Parkanlagen<\/td>\n<td>    Bl\u00e4tter, Rinde    (750g t\u00f6dlich)<\/td>\n<td>Kolik<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>       Eiche          <em>Quercus ssp. <\/em><\/td>\n<td>W\u00e4lder<\/td>\n<td>unreife Fr\u00fcchte, Rinde, junge Bl\u00e4tter<\/td>\n<td>Durchfall, Kolik, Harnverf\u00e4rbungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td> Eisenhut   <em>Aconitum napellus<\/em> &amp; <em>Aconitum vulparia<\/em><\/td>\n<td>Wald- und Wegr\u00e4nder<\/td>\n<td>gesamte Pflanze (10-12mg Aconitin t\u00f6dlich)<\/td>\n<td>Kolik<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>  Fingerhut    <em>Digitalis lanata, Digitalis lutea <\/em>&amp; <em>Digitalis purpurea<\/em><\/td>\n<td>Wald- und Wegr\u00e4nder<\/td>\n<td>Bl\u00e4tter und Samen (25g getrocknete Bl\u00e4tter t\u00f6dlich)<\/td>\n<td>Schleimhautreizungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Goldregen <em>Laburnum anagyroides<\/em><\/td>\n<td>Parkanlagen<\/td>\n<td>Wurzelrinde, Bl\u00fcten, Samen<\/td>\n<td>Kolik, Kr\u00e4mpfe<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Herbstzeitlose <em>Colchicum autumnale<\/em><\/td>\n<td>Heu und Gr\u00fcnland, Wald- und Wegr\u00e4nder<\/td>\n<td>gesamte Pflanze<\/td>\n<td>Schleimhautreizungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>   Kartoffel    <em>Solanum tuberosum<\/em><\/td>\n<td>G\u00e4rten<\/td>\n<td>Bl\u00fcten, Beeren<\/td>\n<td>Durchfall<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>    Kreuzkraut     <em>Senecio ssp.<\/em><\/td>\n<td>Heu und Gr\u00fcnland, Wald- und Wegr\u00e4nder<\/td>\n<td>gesamte Pflanze, besonders Wurzel<\/td>\n<td>Leberfunktions-st\u00f6rungen<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>        Pflaume         <em>Prunus domestica<\/em><\/td>\n<td>G\u00e4rten<\/td>\n<td>unreife Fr\u00fcchte<\/td>\n<td>Kolik<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/wp-content\/uploads\/Herbstzeitlose-web-292x300.jpg\" alt=\"Herbstzeitlose getrocknet im Heu\" \/><\/p>\n<p>Abbildung: Getrocknete Herbstzeitlose aus dem Heu mit Kapselfr\u00fcchten<\/p>\n<p>Im frischen Zustand werden die giftigen Pflanzen des Gr\u00fcnlandes vom Pferd in der Regel gemieden. Durch die Konservierungsprozesse des Trocknens und Silierens k\u00f6nnen die Tiere die Giftpflanzen jedoch h\u00e4ufig nicht mehr aussortieren, sodass es vorkommen kann, dass die Giftpflanzen aus dem Heu, der Heulage und der Silage gefressen werden. Manche Giftpflanzen verlieren oder reduzieren ihre Giftwirkung durch den Konservierungsprozess, w\u00e4hrend andere ihre Giftwirkung beibehalten. (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HEINRICH 2008<\/a>) Adonisr\u00f6schen, Kreuzkrautarten, sowie die Herbstzeitlose verlieren ihre Toxizit\u00e4t durch die Trocknung nicht (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MEYER und COENEN 2014<\/a>). Auch nach der Silierung sind Kreuzkraut und Herbstzeitlose nach wie vor giftig (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HEINRICH 2008<\/a>).<\/p>\n<p>Auf der Weide ist darauf zu achten, dass die Pferde keinen Zugang zu giftigen Gr\u00fcnlandpflanzen, toxischen Str\u00e4uchern und B\u00e4umen haben. Auch beim Weidezaun sollte auf die Verwendung von ungiftigem Holz Wert gelegt werden. (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HEINRICH 2008<\/a>)<\/p>\n<p>\u201eGartenabf\u00e4lle\u201c wie Kastanien, Eicheln, Heidekr\u00e4uter und Hahnenfu\u00df k\u00f6nnen eine schwere Darmentz\u00fcndung nach ihrer Aufnahme verursachen und geh\u00f6ren deshalb nicht in die Reichweite der Pferde (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GERBER et al. 2016<\/a>).<\/p>\n<h4>Therapieunterst\u00fctzende F\u00fctterungsma\u00dfnahmen<\/h4>\n<p>Hat ein Pferd giftige Pflanzen aufgenommen, sollte versucht werden, die Resorption der Giftstoffe im Organismus m\u00f6glichst zu verhindern. Bew\u00e4hrt hat sich die mehrfache orale Gabe von Aktiv-Kohle. (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">HEINRICH 2008<\/a>)<\/p>\n<p>Zudem sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden, welcher unter Umst\u00e4nden den Mageninhalt mit den Giftpflanzen abhebern und den Patienten danach entsprechend weiter therapieren wird. (<a href=\"https:\/\/www.hipposport.de\/magazin\/eevp\/literaturverzeichnis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">GERBER et al. 2016<\/a>)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entstehung und Ursachen Pferde k\u00f6nnen giftige Pflanzen auf der Weide, \u00fcber das Rau- und Krippenfutter, sowie im Gel\u00e4nde bei einem Ausritt oder Spaziergang aufnehmen. In der Regel werden Giftpflanzen von Pferden gemieden, jedoch k\u00f6nnen unterschiedliche Faktoren und Situationen dazu f\u00fchren, dass die Tiere die Giftpflanzen doch aufnehmen. Dies geschieht zum Beispiel bei unerfahrenen Jungtieren, bei einer knappen Raufutterversorgung, sowie nach dem Trocknungs- oder Silierprozess, wodurch die Pferde die giftigen Pflanzenteile oft nicht mehr aussortieren k\u00f6nnen. Aber auch giftige, exotische Pflanzen, welche aus fremden Regionen der Welt stammen, k\u00f6nnen von Pferden h\u00e4ufig nicht richtig eingeordnet und deshalb gefressen werden. 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